Lebensversicherungen: §89 VAG Zahlungsverbot, Herabsetzung von Leistungen

Zu Ihrer Information: kommt eine Lebensversicherungsgesellschaft in Schwierigkeiten, kann sie die Auszahlungen herabsetzen oder sogar ganz einstellen.

Der Paragraph musste bisher noch nicht angewandt werden, da die in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen bisher entweder fusioniert oder durch die Sicherungseinrichtung Protektor aufgefangen wurden.

Die klassischen Lebensversicherungen sind zu etwa 95% in Staatsanleihen investiert. Durch die höchst wahrscheinlich noch lange anhaltenden niedrigen Zinsen auf deutsche Staatsanleihen sinken die Renditen des Kapitalstocks vieler Lebensversicherer seit etwa 10 Jahren kontinuierlich. Die z. T. hohen Garantiezusagen von bis zu 4% pro Jahr auf den Vermögensanteil können von einigen Versicherern nicht mehr erwirtschaftet werden. Sie können diese Zusagen noch aufrecht erhalten, da es andere Policen mit deutlich weniger garantierter Verzinsung gibt (aktuelle Neuabschlüsse erhalten einen Garantiezins von 1,75%). Es ist abzusehen, dass das System mit aktuellen deutschen Staatsanleihen mit einer Verzinsung von 0,1% für kurzfristige und etwa 1,5% für 10-jährige Anleihen nicht mehr lange hält. In Japan haben wir seit der Krise Anfang der 90er Jahre schon seit 20 Jahren niedrige Zinsen. Die Lebensversicherer konnten die zugesagten Garantien nicht einhalten. So wurden per Gesetz alle Garantien aufgehoben. Wo nichts erwirtschaftet wird, kann auch keine Rendite in Form von Zinsen ausgeschüttet werden.

Ein vergleichbares Szenario bei uns wäre, dass zu viele Lebensversicherer in Schwierigkeiten kommen und sie von der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) ein Zahlungsverbot erhalten. Erst nach einer Übergangszeit wären dann wieder Auszahlungen möglich, jedoch mit erheblicher Einbußen wegen schlechter Rendite bei hoher Inflation. Wenn Sie klassische Lebens- oder Rentenversicherungen haben, achten Sie darauf, dass Sie nicht zu hohe Vermögenswerte darin verwahren. Als Streuung, für ältere Personen oder kurz vor Ablauf befindliche klassische Lebens- und Rentenversicherungen können durchaus sinnvoll sein.

Bei klassischen wie auch fondsgebundenen Rentenversicherungen kommt eine besondere Situation hinzu: Wenn ein Rentner seinen Lebensunterhalt hauptsächlich von Rentenversicherungen (bAV, Riester, Basisrente, private Rente) bestreitet, kann der §89 VAG bis zur Privatinsolvenz führen. In so einer Situation könnte man wahnsinnig werden: zuerst spart man sich 30 Jahre lang Geld an und in der Rente bekommt man nichts.

An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass von der oben beschriebenen sinkenden Rendite klassische Lebens- und Rentenversicherungen bzw. Hybridprodukte betroffen sind. Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen sind in der Ansparzeit nicht von der sinkenen Verzinsung betroffen. Bei ihnen hängt die Wertentwicklung neben der Kostenstruktur vom Kursverlauf der Wertpapiere ab. Nichts desto trotz können Sie vom Zahlungsverbot betroffen sein.

Wichtig ist daher, die Rente auf verschiede Systeme zu verteilen und vor allem auf eigene Beine (Sachwerte wie Immobilien, Gold etc.) zu stellen.

Mit meinen Kunden bespreche ich diese Problematik. Wir setzen eine diversifizierte Lösung um, damit sie in so einem Fall mehrere Töpfe besitzen, aus denen sie schöpfen können.

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